Eulen
Bartkauz (Strix nebulosa)
Der Bartkauz gehört zu den größten Eulen der Welt. Mit seinem gewaltigen, runden Kopf und dem markanten Gesichtsschleier ist er eine der eindrucksvollsten Erscheinungen in unseren Volieren. Seinen Namen verdankt er dem schwarzen Federfleck unterhalb des Schnabels, der wie ein kleiner Bart aussieht.
- Meister des Gehörs: Der Bartkauz besitzt ein phänomenales Gehör. Selbst unter einer dicken Schneeschicht kann er kleine Nagetiere wie Wühlmäuse und Lemminge zielsicher orten. Obwohl er riesig erscheint, besteht ein Großteil seines Volumens aus dichtem, grau-braunem Gefieder, das ihn perfekt vor der arktischen Kälte schützt.
- Tag- und Nachtjäger: Anders als viele andere Eulen ist der Bartkauz nicht nur nachts, sondern oft auch am Tag aktiv. In den dichten Nadelwäldern Skandinaviens, Sibiriens und Nordamerikas sitzt er meist geduldig auf einem Ansitz und wartet auf Beute.
- Keine eigenen Baumeister: Bartkäuze bauen keine eigenen Nester. Sie beziehen lieber „Gebrauchtimmobilien“ und nutzen alte Horste von Habichten oder Bussarden, um ihre Jungen großzuziehen.
- Schutz & Gefährdung: Weltweit gilt der Bartkauz laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet, da er ein riesiges Verbreitungsgebiet bewohnt. In Europa leben schätzungsweise bis zu 10.000 Brutpaare.
- Herausforderung im Zoo: Bartkäuze sind hochempfindlich gegenüber dem durch Mücken übertragenen Usutu-Virus, was ihre Haltung in manchen Regionen zu einer besonderen tierärztlichen Aufgabe macht.
Wusstest du schon? Ein Bartkauz sieht zwar fast so groß aus wie ein Uhu, wiegt aber deutlich weniger. Sein massiges Aussehen verdankt er vor allem seinem extrem dichten Federkleid!
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Europäischer Uhu (Bubo bubo bubo)
Der Uhu ist die größte Eule Europas und ein wahrer Überlebenskünstler. Mit seiner beeindruckenden Flügelspannweite von bis zu 1,88 Metern und den charakteristischen Federohren ist er ein fester Bestandteil unserer Kultur – vom Volkslied bis zur Fabel.
- Jäger ohne Grenzen: Ob in den schroffen Felswänden der Alpen oder den dichten Wäldern des Flachlands – der Uhu besiedelt fast jeden Lebensraum. Er ist extrem kräftig und kann Beutetiere wegtragen, die bis zu zwei Drittel seines eigenen Gewichts wiegen, darunter Igel, Hasen und sogar andere Greifvögel.
- Stimmgewaltig: Sein namensgebender „Uhu“-Ruf ist in der Dämmerung kilometerweit zu hören. Forscher haben herausgefunden, dass jeder Uhu eine ganz individuelle Stimme besitzt, an der er über Jahre hinweg identifiziert werden kann.
- Erfolgreiche Rückkehr: In Mitteleuropa war der Uhu fast verschwunden. Dank engagierter Wiederansiedlungsprojekte, oft unterstützt durch Zoos, haben sich die Bestände in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder stabilisiert. Dennoch bleibt der Schutz wichtig, da Gefahren wie veraltete Strommasten weiterhin Risiken bergen.
- Familienleben am Abgrund: Uhus bauen kein Nest, sondern brüten direkt auf Felsbändern, in Nischen oder am Boden. Das Weibchen brütet allein, während das Männchen unermüdlich für Nahrung sorgt. Schon mit acht Wochen sind die Junguhus bereit für ihren ersten Flug.
Im Zoo: Der Uhu ist aufgrund seiner imposanten Erscheinung und seiner leuchtend orangegelben Augen ein Highlight für jeden Besucher. In vielen Tierparks wird er für Schauflüge eingesetzt, um die lautlose Flugweise der Eulen zu demonstrieren.
Wusstest du schon? Die Weibchen sind bei den Uhus deutlich größer und schwerer als die Männchen – ein Phänomen, das bei vielen Greifvogel- und Eulenarten vorkommt.
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Habichtskauz (Strix uralensis)
Der Habichtskauz ist eine der eindrucksvollsten Eulen Eurasiens. Seinen Namen verdankt er seinem langen, gebänderten Schwanz, der im Flug an einen Habicht erinnert. Er ist deutlich größer und kräftiger als der bekannte Waldkauz, dem er ansonsten sehr ähnlich sieht.
- Markantes Gesicht: Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist sein großer, fahlweißer Gesichtsschleier ohne Zeichnung, aus dem die dunklen, schwarzbraunen Augen hervorstechen. Sein Gefieder ist blass mit kräftigen, dunklen Längsstreifen, die ihn im Geäst perfekt tarnen.
- Heimlicher Waldbewohner: Ursprünglich bewohnt der Habichtskauz alte, unberührte Nadel- und Mischwälder weitab von Menschen. Er ist ein geschickter Jäger, der in Baumhöhlen oder verlassenen Greifvogelhorsten brütet. Während der Brutzeit sorgt das Männchen allein für die Verpflegung der gesamten Familie.
- Erfolgreiches Comeback: Nachdem der Habichtskauz aus vielen Teilen Mitteleuropas verschwunden war, gibt es heute erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekte, etwa im Bayerischen Wald oder in Österreich. Zoos spielen hier eine entscheidende Rolle, indem sie junge Eulen für die Auswilderung züchten und so helfen, die Bestände in Deutschland und seinen Nachbarländern wieder zu sichern.
- Schutzstatus: Weltweit gilt die Art als nicht gefährdet. In Mitteleuropa ist sie jedoch selten und auf spezielle Schutzmaßnahmen sowie die Vernetzung naturnaher Wälder angewiesen.
Wusstest du schon? Der Habichtskauz ist für seine Verteidigungsbereitschaft bekannt. Wenn es um den Schutz seiner Jungen geht, schreckt er nicht davor zurück, selbst deutlich größere Eindringlinge mutig in die Flucht zu schlagen.
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Raufußkauz (Aegolius funereus)
Der Raufußkauz ist ein kleiner, aber faszinierender Nachtjäger, der vor allem die Nadel- und Mischwälder unserer Mittel- und Hochgebirge bewohnt. Seinen Namen verdankt er seinen bis zu den Zehenspitzen dicht und weiß befiederten Beinen, die wie kleine Schneeschuhe wirken.
- Besondere Merkmale: Mit einer Größe von etwa 19 bis 23 cm ist er kaum größer als eine Drossel. Auffällig sind sein großer, runder Kopf mit dem hellen Gesichtsschleier und seine leuchtend bernsteinfarbenen Augen. Im Gegensatz zum Steinkauz, mit dem er oft verwechselt wird, ist sein Flug geradlinig und ruhig.
- Hörprofi der Nacht: Der Raufußkauz besitzt ein phänomenales Gehör. Seine Ohren sind asymmetrisch am Kopf angeordnet, was ihm ermöglicht, Beutetiere wie Mäuse oder kleine Vögel selbst bei absoluter Dunkelheit zentimetergenau zu orten.
- Leben in der Baumhöhle: Als klassischer Höhlenbrüter ist er auf alte Spechthöhlen – besonders vom Schwarzspecht – angewiesen. Er ist ein treuer Standvogel und verbringt das ganze Jahr in seinem Revier, wobei er den Tag meist gut versteckt in Baumwipfeln verschläft.
- Bestand und Schutz: Weltweit gilt der Raufußkauz als nicht gefährdet. In Mitteleuropa sind die Bestände jedoch regional sehr unterschiedlich. Während er in einigen Gebieten neue Reale besiedelt, kämpft er in anderen Regionen, wie dem Jura, mit deutlichen Bestandsrückgängen durch den Verlust natürlicher Wälder.
- Artenschutz im Fokus: Da man den Raufußkauz in der freien Natur aufgrund seiner nächtlichen Lebensweise fast nie zu Gesicht bekommt, leisten Zoos wichtige Aufklärungsarbeit. Sie zeigen diesen heimlichen Waldbewohner und machen auf die Bedeutung von Totholz und natürlichen Höhlenbäumen aufmerksam.
Wusstest du schon? Im hohen Norden, wo die Sonne im Sommer kaum untergeht, passt sich der Raufußkauz an und jagt entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten auch bei Tageslicht.
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São-Tomé-Schleiereule (Tyto alba thomensis)
Diese besondere Eule ist eine echte Exotin und kommt weltweit ausschließlich auf der Insel São Tomé vor. Als sogenannte endemische Art hat sie einen sehr kleinen Lebensraum, was sie besonders anfällig für äußere Einflüsse macht.
- Dunkle Schönheit: Im Vergleich zu unseren heimischen Schleiereulen ist die São-Tomé-Variante deutlich kleiner und dunkler gefärbt. Ihr Gefieder auf der Oberseite zeigt eine Mischung aus Dunkelgrau und Ringen in Rötlichbraun, während die Unterseite in einem kräftigen Goldbraun mit dunklen Flecken erstrahlt.
- Markantes Gesicht: Ihr herzförmiger Gesichtsschleier ist gelblich-braun und wird durch einen dunklen Strich betont, der von den Augen zum Schnabel verläuft. Anders als bei vielen Verwandten fehlen in ihrem Gesicht die typischen Grautöne.
- Anpassungsfähige Jägerin: Die Eule bewohnt offene Landschaften mit Sträuchern, Felsen und vereinzelten Bäumen. Mutig hat sie sich auch den menschlichen Siedlungsraum erschlossen, wo sie als nächtliche Jägerin unterwegs ist.
- Selten und gefährdet: Da ihr Bestand nur auf diese eine Insel begrenzt ist, stellen die Zerstörung von Lebensräumen und der Einsatz von Pestiziden eine große Gefahr dar. Forscher wissen noch immer sehr wenig über ihre genaue Lebensweise, was sie zu einem der geheimnisvollsten Vögel der Region macht.
Wusstest du schon? Obwohl sie optisch sehr eigenständig wirkt, vermuten Experten, dass ihre Fortpflanzung und Jagdtechniken denen der weit verbreiteten Schleiereulen ähneln – sie ist also eine „Spezialausgabe“ eines weltweit erfolgreichen Modells.
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Schleiereule (Tyto alba)Die Schleiereule ist eine der markantesten Erscheinungen in der Welt der Nachtjäger. Mit ihrem schneeweißen, herzförmigen Gesichtsschleier und den tiefschwarzen Augen wirkt sie fast wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt. Als typischer Kulturfolger hat sie sich seit Jahrhunderten eng an den Menschen angeschlossen.
Wusstest du schon? Die Augen der Schleiereulenküken sind anfangs blau. Erst im Laufe der ersten vier Wochen färben sie sich in das tiefe Dunkelbraun um, das für die erwachsenen Tiere so charakteristisch ist. |
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Schneeeule (Bubo scandiacus)
Die Schneeeule ist eine der faszinierendsten Erscheinungen der Arktis. Ihr strahlend weißes Gefieder dient als perfekte Tarnung in der schneebedeckten Tundra und macht sie zu einem idealen Botschafter für den Klimaschutz.
- Wer ist wer? Bei den Schneeeulen lässt sich das Geschlecht oft auf den ersten Blick erkennen (Sexualdichromatismus): Während die Männchen fast reinweiß sind, tragen die Weibchen eine dunkle Bänderzeichnung auf ihrem Federkleid. Beide besitzen bernsteinfarbene Augen und bis zu den Krallen dicht befiederte Füße, die wie kleine Schneeschuhe wirken.
- Leben im Rhythmus der Lemminge: Die Schneeeule ist eng an das Vorkommen von Lemmingen gebunden. In Jahren mit Nahrungsmangel ziehen sie weit nach Süden – manchmal bis nach Mitteleuropa. Eine einzige Eulenfamilie kann während der Aufzuchtzeit über 2.000 Lemminge verzehren!
- Bodenbrüter: Anders als viele Verwandte brütet die Schneeeule am Boden in einfachen Mulden. Das Männchen übernimmt dabei die Rolle des Jägers und versorgt das brütende Weibchen unermüdlich mit Nahrung.
- Gefährdeter Jäger: Da ihr Bestand stark schwankt und früher oft überschätzt wurde, wird die Schneeeule heute auf der Roten Liste der IUCN als „gefährdet“ (Vulnerable) geführt [2]. In Ländern wie Schweden galt sie im Jahr 2025 sogar als lokal ausgestorben.
- Im Zoo: Aufgrund ihrer Tagaktivität und ihres imposanten Aussehens gehört sie zu den beliebtesten Eulen in zoologischen Einrichtungen. In modernen Anlagen wie der „Eulenschlucht“ im Natur- und Tierpark Goldau oder dem „Eulenkloster“ im Kölner Zoo lässt sich ihr Verhalten aus nächster Nähe beobachten.
Wusstest du schon? Schneeeulen besitzen wie Uhus kleine Federohren. Diese bestehen jedoch nur aus wenigen Federn und liegen meist so flach am Kopf an, dass sie fast unsichtbar sind.
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Sibirischer Uhu (Bubo bubo sibiricus)
Der Sibirische Uhu ist die imposanteste und hellste Unterart des Eurasischen Uhus. Er bewohnt die riesigen Waldgebiete vom Westrand des Urals bis weit nach Ostsibirien und zum Altai-Gebirge. Als Bewohner extrem kalter Regionen ist er ein beeindruckendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur.
- Der Gigant im Silbermantel: Getreu der Bergmannschen Regel (Tiere in kälteren Regionen werden größer) übertrifft der Sibirische Uhu seine europäischen Verwandten oft an Größe und Gewicht. Besonders auffällig ist sein sehr helles, fast weißlich-cremefarbenes Gefieder mit der feinen, dunklen Zeichnung – eine perfekte Tarnung für die oft schneebedeckten Landschaften seiner Heimat.
- Kraftvoller Jäger: Mit einer Flügelspannweite, die deutlich über 1,80 Meter liegen kann, ist er ein majestätischer Flieger. Sein Beutespektrum ist enorm: Von kleinen Nagetieren bis hin zu Hasen oder sogar jungen Füchsen und anderen Greifvögeln wird fast alles erbeutet, was er mit seinen kräftigen Fängen überwältigen kann.
- Hörbare Präsenz: Sein tiefer, weithin hörbarer „Buho“-Ruf markiert in der Dämmerung sein riesiges Revier. Interessanterweise hat jeder Uhu eine individuelle Stimme, an der ihn Experten (und Partner) über Jahre hinweg wiedererkennen können.
- Winterfest: Um den extremen Temperaturen Sibiriens zu trotzen, sind seine kräftigen Füße und Zehen bis zu den Krallenspitzen dicht mit dicken, isolierenden Federn bewachsen.
Wusstest du schon? In Zoos können diese majestätischen Vögel ein stolzes Alter von über 35 Jahren erreichen. In der freien Wildbahn sind sie wichtige „Gesundheitshüter“ ihres Ökosystems, da sie auch kranke oder schwache Tiere erbeuten.
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Sperbereule (Surnia ulula)
Die Sperbereule ist eine der außergewöhnlichsten Erscheinungen der nördlichen Wälder. Als atypische, an subpolare Lebensbedingungen angepasste Eule verbindet sie die Eigenschaften von Eulen und Falken, was sie zu einem besonders spannenden Botschafter der Taiga macht.
- Wer ist wer? Bei der Sperbereule sind die Geschlechter optisch kaum zu unterscheiden, wobei die Weibchen meist etwas schwerer sind als die Männchen. Ihr Name leitet sich von der markanten „gesperberten“ (quergestreiften) Unterseite ab. Mit ihren langen, spitz zulaufenden Flügeln und dem langen Schwanz ähnelt sie im Flugbild verblüffend einem Sperber oder Falken. Im Gegensatz zu vielen Verwandten fehlen ihr die Federohren völlig.
- Tagaktive Jägerin: Während die meisten Eulen die Nacht bevorzugen, ist die Sperbereule überwiegend tagaktiv. Als geschickte Ansitzjägerin nutzt sie hohe Warten, um in der Taiga nach Wühlmäusen und Lemmingen Ausschau zu halten. In Jahren, in denen die Bestände ihrer Beutetiere zusammenbrechen, weichen die Vögel weit nach Süden aus – im 20. Jahrhundert wurden so rund 100 Nachweise dieser „Irrgäste“ in Mitteleuropa datiert.
- Abenteuerlustige Nachwuchs: Genistet wird bevorzugt in Astlöchern, Spechthöhlen oder alten Greifvogelnestern. Die Brutzeit beginnt oft schon im März. Eine Besonderheit ist die frühe Selbstständigkeit der Jungen: Sie verlassen das Nest bereits sehr früh als sogenannte „Ästlinge“, noch bevor sie überhaupt flugfähig sind, und werden dann vom Männchen weiter versorgt.
- Überlebenskünstler der Holarktis: Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die gesamte Nordhalbkugel – von Skandinavien über Russland bis nach Nordamerika. Um den extremen Temperaturen ihrer Heimat zu trotzen, besitzt sie eine besonders dichte Befiederung, die sogar die Zehen vollständig umschließt.
Wusstest du schon? Die Sperbereule scheint der Polarnacht aktiv auszuweichen. Sobald die Sonne im hohen Norden für längere Zeit unter dem Horizont verschwindet, wandert sie in südlichere, lichtere Gebiete ab.
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Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
Der Sperlingskauz ist ein echtes Kraftpaket im Miniaturformat. Als kleinste Eule Europas ist er kaum größer als ein Star, doch lassen Sie sich von seiner Größe nicht täuschen: Er ist ein mutiger und äußerst geschickter Jäger.
- Winziger Gigant: Mit einer Körperlänge von nur etwa 16 bis 17 Zentimetern wiegt er weniger als eine Tafel Schokolade. Sein Gefieder ist perfekt an die Rinde von Nadelbäumen angepasst – braun mit feinen weißen Tupfen und markanten, schwefelgelben Augen, die unter hellen „Augenbrauen“ hervorluegen.
- Jäger im Morgengrauen: Im Gegensatz zu vielen anderen Eulen ist der Sperlingskauz tagaktiv, besonders in der Dämmerung. Er ist erstaunlich angriffslustig und erbeutet gelegentlich Vögel oder Nagetiere, die sogar größer sind als er selbst.
- Vorsorge für den Winter: Da sein Magen klein ist, kann er große Beute nicht auf einmal fressen. Stattdessen legt er in Baumhöhlen geschickte Vorratslager an, um auch in strengen Wintern gut versorgt zu sein.
- Heimlicher Waldbewohner: Er liebt die lockeren Nadel- und Mischwälder der Gebirge und brütet bevorzugt in alten Spechthöhlen. Obwohl er sein Revier in Europa zuletzt ausweiten konnte, bekommt man ihn in freier Natur aufgrund seiner Heimlichtuerei und Tarnung fast nie zu Gesicht.
- Status: Weltweit gilt der Sperlingskauz als nicht gefährdet. In der Schweiz wird er jedoch als potenziell gefährdet eingestuft, weshalb sein Schutz in den alpinen Regionen besonders wichtig ist.
Wusstest du schon? Der Sperlingskauz besitzt winzige Federohren, die er bei Erregung aufstellen kann. Meist liegen sie jedoch so flach am Kopf an, dass sie völlig unsichtbar sind.
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Steinkauz (Athene noctua)
Der Steinkauz ist ein kleiner Charaktervogel unserer Kulturlandschaft. Als Symbol der Weisheit begleitete er einst die Göttin Athene, doch heute ist der sympathische „Dorfbewohner“ in Mitteleuropa vielerorts selten geworden.
- Wer ist wer? Mit nur 22 cm Körpergröße und seinem flachen Kopf wirkt der Steinkauz kompakt und gedrungen. Markant sind seine leuchtend gelben Augen unter den hellen „Augenbrauen“. Im Gegensatz zum Raufußkauz erkennt man ihn im Flug an seiner typisch wellenförmigen Flugbahn – ganz ähnlich wie bei einem Specht.
- Leben in der Kulturlandschaft: Er liebt offene Flächen mit alten Bäumen, Weiden und Steinmauern. Sein Speiseplan ist vielseitig: Neben Käfern und Insekten erbeutet er auch Kleinsäuger. Für die Jagd nutzt er gerne Zaunpfähle oder andere niedrige Ansitzwarten.
- Nischenbrüter: Seine 3 bis 5 Eier legt er in Baumhöhlen, Mauernischen oder Felsspalten ab. Während das Weibchen brütet, ist das Männchen der Hauptversorger und füttert die Jungen, die bereits nach etwa 25 Tagen das Nest verlassen.
- Ein gefährdeter Nachbar: Global nicht gefährdet, ist er in Deutschland „stark gefährdet“ und in der Schweiz sowie Österreich sogar „vom Aussterben bedroht“. Der Verlust von Streuobstwiesen und alten Kopfweiden entzieht ihm die Lebensgrundlage. Gezielte Schutzprojekte helfen jedoch, die Bestände lokal wieder zu stabilisieren.
Wusstest du schon? Wenn der Steinkauz aufgeregt ist, beginnt er zu „knicksen“ – er wippt mit dem Oberkörper auf und ab, um Entfernungen zu potenziellen Gefahren oder Beutetieren besser einschätzen zu können.
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Waldkauz (Strix aluco)
Mit seinem großen, runden Kopf und den tiefdunklen Augen ist der Waldkauz der Inbegriff einer Eule. Obwohl er unsere Wälder und Parks zahlreich bewohnt, bekommen ihn Menschen in der Natur aufgrund seiner perfekten Tarnung nur selten zu Gesicht.
- Wer ist wer? Waldkäuze sind mittelgroße Eulen ohne Federohren. Besonders spannend ist ihre individuelle Färbung: Es gibt eine graue und eine braune Farbphase, wobei in Mitteleuropa etwa doppelt so viele graue Vögel vorkommen. Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich, die Weibchen sind jedoch oft deutlich schwerer.
- Wendiger Waldflieger: Als ideal an den Wald angepasster Jäger besitzt er breite, abgerundete Flügel. Er ist zwar kein Schnellflieger, dafür aber extrem wendig. Er besiedelt Laub- und Mischwälder, ist aber als Kulturfolger auch in unseren Gärten und städtischen Grünanlagen zu Hause.
- Nachtaktiver Jäger: Kurz nach Sonnenuntergang beginnt seine Jagdzeit. Er ist nicht wählerisch: Feldmäuse bilden die Hauptnahrung, aber auch Vögel, Amphibien oder Käfer werden geschlagen. Seine Jagdaktivität und der Bruterfolg hängen dabei stark vom aktuellen Nahrungsangebot ab.
- Bestand & Schutz: Mit bis zu 75.000 Brutpaaren allein in Deutschland gilt der Waldkauz als nicht gefährdet. Er ist ein wichtiger Botschafter für den Erhalt von alten Baumbeständen, da er als Höhlenbrüter auf natürliche Nischen oder spezielle Nistkästen angewiesen ist.
Wusstest du schon? Der klassische „Huu-hu-huuhuu“-Ruf, den man oft in Krimis oder Gruselfilmen hört, ist der typische Reviergesang des Waldkauz-Männchens. Das Weibchen antwortet meist mit einem scharfen „Kiwitt!“
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Waldohreule (Asio otus)
Die Waldohreule ist mit ihren markanten, langen Federohren eine der populärsten Eulenarten. Obwohl sie in unseren lichten Wäldern und Parks weit verbreitet ist, bleibt sie aufgrund ihrer streng nachtaktiven Lebensweise für Spaziergänger meist unsichtbar.
- Wer ist wer? Ihr auffälligstes Merkmal sind die beweglichen Federohren, die jedoch nichts mit dem Gehör zu tun haben. Das Gefieder ist auf der Unterseite hellbraun mit dunklen Längsstreifen, während die Augen in einem tiefen Orangegelb leuchten. Die Weibchen sind meist etwas kräftiger gebaut als die Männchen.
- Meister der Tarnung: Tagsüber sitzt die Waldohreule oft völlig regungslos und eng an einen Baumstamm geschmiegt im Geäst. In dieser „Pfahlstellung“ ist sie kaum von der Rinde zu unterscheiden. Trotz ihrer Heimlichtuerei genießt sie, wenn sie sich sicher fühlt, gerne ausgiebige Sonnenbäder.
- Beziehung zu Rabenvögeln: Waldohreulen bauen keine eigenen Nester. Sie nutzen stattdessen mit Vorliebe verlassene Horste von Krähen, Elstern oder Greifvögeln. Ab März legen sie dort meist 4 bis 6 Eier. Die Jungen verlassen das Nest bereits nach gut drei Wochen als „Ästlinge“, noch bevor sie richtig fliegen können.
- Jägerin der Wühlmäuse: Wühlmäuse sind ihre wichtigste Nahrungsquelle und bestimmen oft über den Bruterfolg eines Jahres. In Mangelzeiten weicht sie jedoch geschickt auf Kleinvögel oder andere Kleinsäuger aus. In strengen Wintern bilden Waldohreulen oft Schlafgemeinschaften in Gärten oder Parks.
Wusstest du schon? Die langen Federohren dienen der Kommunikation und Tarnung. Wenn die Eule entspannt ist, legt sie diese flach an den Kopf, bei Erregung oder zur Tarnung stellt sie sie steil auf, um die Körperkontur zu unterbrechen.
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Zwergohreule (Otus scops)
Die Zwergohreule ist ein graziler Überlebenskünstler und eine der kleinsten Eulen Europas. Mit ihrem rindenartigen Gefieder ist sie im Geäst von Obstgärten und Parklandschaften nahezu unsichtbar, doch ihr markanter, flötenartiger Ruf verrät sie in warmen Sommernächten.
- Wer ist wer? Mit nur 16 bis 19 cm Größe ist sie kaum größer als ein Star. Sie besitzt kleine Federohren und leuchtend gelborange Augen. Als einzige Eule Europas hat sie völlig unbefiederte Zehen. Ihr Gefieder variiert in Grau- und Brauntönen und bietet eine perfekte Tarnung vor Baumrinde.
- Der Weitflieger: Im Gegensatz zu vielen standorttreuen Verwandten ist die Zwergohreule ein echter Zugvogel. Den Winter verbringt sie südlich der Sahara, wobei manche Tiere aus Sibirien Strecken von bis zu 8.000 km zurücklegen. Erst im April oder Mai kehrt sie in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete zurück.
- Insektenjägerin: Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Großinsekten wie Heuschrecken und Käfer, aber auch kleine Eidechsen oder Mäuse. Sie nistet bevorzugt in Baumhöhlen oder alten Elsternnestern. Die 4 bis 5 Jungen verlassen das Nest bereits nach etwa drei Wochen.
- Vom Aussterben bedroht: Während sie global noch häufig vorkommt, steht es um die Zwergohreule in Mitteleuropa schlecht. Durch den Rückgang von Großinsekten und den Verlust von Streuobstwiesen gilt sie in der Schweiz und Österreich als vom Aussterben bedroht. In Deutschland werden nur noch vereinzelte Bruten registriert.
Wusstest du schon? Die Zwergohreule vertraut so sehr auf ihre Tarnung, dass sie bei Gefahr die „Linealstellung“ einnimmt: Sie macht sich ganz dünn, stellt die Federohren steil auf und schließt die Augen zu schmalen Schlitzen, bis sie wie ein abgebrochener Ast aussieht.
